Ein Roadtrip durch England - Teil 4/5

Neben uns hören wir den Flusslauf plätschern, ein paar Schafe blöken und wenn ich den Kopf in den Nacken lege, kann ich die Bergspitzen erahnen, die in den Wolken versinken. Ich wasche mein Gesicht in dem glasklaren Flusswasser und kann mein Glück kaum fassen. Diese Freiheit überwältigt.

Buttermere, Lake District, UK
↳ Buttermere, Lake District National Park

Graue Wolken hängen am Himmel, als wir am nächsten Morgen aufwachen. Ohne Frühstück machen wir uns auf in Richtung Lake District National Park. Der kleine Ort, den wir in die Navigationsapp eingeben, heißt Buttermere. Während unserer Recherche haben wir ihn recht zufällig gewählt, da es dort 1. gleich zwei Seen gibt und 2. er uns weniger touristisch oder bekannt als andere Orte in dem Nationalpark erschien. Nach ein paar miles nehmen wir die Abfahrt und halten am Holiday Inn, für das wir den heutigen Fitness-Tagespass gebucht haben. Ein Lauf auf dem Laufband, ein paar Yoga Stretches und dann genießen wir den angeschlossenen Spa-Bereich. Schwimmen ein paar Bahnen, sitzen im Whirlpool und in der Sauna. Das ist besser, als jede Campingplatz-Dusche.

Entspannt und frisch geduscht geht es weiter. Wir fahren ein Stück zurück in den Süden, dann von der Ostseite quer in Richtung Westen. Vorbei an kleinen Steinmauern und immer mehr Schildern, die auf den Hadrianswall, hinweisen. Wir hatten den von den Römern zwischen 122 und 128 nach Christus erbauten Steinwall mal grob in unsere Reiseplanung eingebunden, waren uns aber nicht sicher gewesen, ob wir es schaffen würden. Jetzt können wir nicht einfach vorbeifahren. Wir folgen den Schildern über schmale Straßen zwischen Wiesen mit Schafen, immer weiter in die grüne Weite. Der Parkplatz, auf dem wir schließlich ankommen, ist vollkommen überfüllt und nur mit Glück ergattern wir eine kleine Lücke für den Van. Ziehen ein Parkticket, füllen die Wasserflaschen auf, schmieren Sandwiches und ziehen die Wanderschuhe an. Gemeinsam mit ein paar anderen Wanderern öffnen wir das Gatter und folgen dem sandigen Weg, der zur berühmten Mauer führt. Die Sonne bricht immer wieder durch die Wolkendecke. Wir klettern einen steilen Hügel hinauf und sehen, wie sich der Hadrianswall vor uns erstreckt. Das Ende ist nicht auszumachen. Es sieht genauso aus, wie man sich England vorstellt. Sattes Grün, Steinmauern, sanfte Hügel, hier und da ein Gewässer, wilde Blumen in gelb, violett und blau. Der steile Aufstieg am Anfang soll auch der schwierigste Part unserer Strecke bleiben. Ganz locker wandern wir an der Mauer entlang, kommen durch Waldstücke, über Felder bis hin zu einem Bauernhof. Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass es Zeit wird umzudrehen. Unser Parkticket ist nicht mehr lange gültig und wir wollen noch im Hellen im Lake District National Park ankommen. Ein bisschen wehmütig machen wir kehrt, können es schon jetzt kaum erwarten, im nächsten Sommer wiederzukommen.

Hadrians Wall
↳ Hadrians Wall
Hadrians Wall Rebekka
Hadrians Wall Gate

Lake District National Park

Es dauert nur etwas über 1,5 Stunden, bis wir in Buttermere ankommen. Der Himmel ist grau und dunkel, die Straßen sind schmal. Ich komme besonders dann ins Schwitzen, wenn ein anderes Auto von vorne kommt und wir so dicht an den Rand der Straße ausweichen müssen, dass ich mehrmals glaube, die Klippe, an der wir uns befinden, gleich hinunterstürzen. Den Berg hinauf und wieder ein Stück hinunter und irgendwie kommen wir an. Schon vorher haben wir auf der App einen Platz für die Nacht ausgesucht, nur ein paar Kilometer vor dem kleinen Ort mit den zwei Seen. Die Angst ist sofort vergessen. Was für ein Traum. Wir bringen den Van auf einem kleinen Platz zu stehen. Steigen aus, atmen tief ein. Neben uns hören wir den Flusslauf plätschern, ein paar Schafe blöken und wenn ich den Kopf in den Nacken lege, kann ich die Bergspitzen erahnen, die in den Wolken versinken. Ich wasche mein Gesicht in dem glasklaren Flusswasser und kann mein Glück kaum fassen. Diese Freiheit überwältigt. Pasta im Van, Regentropfen auf dem Dach und dann schlafen wir ein. Und so gut wie noch nie.

Am nächsten Morgen fahren wir die paar Kilometer nach Buttermere. Der Himmel ist weit und grau und ein paar Regentropfen fallen noch immer. Buttermere ist winzig klein. Es gibt ein Restaurant, einen Pub, einen Briefkasten und einen Tea Room. In letzterem machen wir es uns gemütlich. Bestellen Tee - obviously - und versinken in unsere Bücher. Eigentlich hatten wir geplant heute den Scafell Pike, den höchsten Berg im Lake District Nationalpark, zu erklimmen, aber da die Wolken noch immer tief hängen, entscheiden wir uns dagegen und für eine Wanderung in Buttermere. Wir schnüren die Wanderschuhe und dann geht es bergauf. Durch einen kleinen Wald, über grüne Wiesen, die vom Regen ganz glatt sind, begleitet von unzähligen Schafen. Immer weiter bergauf. Die Wolken ziehen sich ein Stück zurück und als wir schließlich auf dem höchsten Punkt ankommen, bietet sich uns eine unglaubliche Aussicht. Beide Seen, die Wolken darüber in spektakulärer Formation, dunkelgrüne Waldstücke, hellgrüne Felder, dazwischen weiße und schwarze Wollknäuel. Als wir den Abstieg beginnen, klart es immer weiter auf und die Sonne wärmt sofort. Über ein Feld laufen wir direkt zum See Buttermere, ziehen uns bis auf die Schwimmsachen aus und kühlen uns im Wasser ab. Die Abkühlung halte ich nur für 1 Sekunde aus. Der See ist eiskalt. Harry ist da etwas härter im Nehmen. Wir lassen uns in der Sonne trocknen, genießen die Aussicht, die frische Luft, die Entspannung nach der Wanderung. Erfrischt, aber ziemlich hungrig, laufen wir das letzte Stück zurück nach Buttermere. Erst einmal in den Pub, wo wir uns mit Pints und Burgern stärken, wie es sich nach einem Wandertag eben gehört. Danach lassen wir es uns nicht nehmen, uns noch einmal auf die Terrasse des Tea Rooms zu setzen. Nachtisch muss sein, besonders wenn es homemade scones gibt. Als wir zum Ende des Tages wieder an unseren Schlafplatz zurückkehren, waschen wir ein paar Sachen im Fluss, lassen sie in der Sonne trocknen und genießen selbst die letzten Strahlen auf unserer Haut. Hier könnte man seinen ganzen Urlaub verbringen. Vielleicht machen wir das beim nächsten Mal. Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter.

Sheep in Buttermere, Lake District National Park
↳ Buttermere, Lake District National Park
Sheep in Buttermere, Lake District National Park
Bulli in Buttermere, Lake District National Park

Auf dem Weg nach Grasmere halten wir in Keswick. Der Ort strotzt vor Wander- und Sportgeschäften und Menschen, die in professionellen Hikingboots herumlaufen. Ein paar Regentropfen fallen, aber es gibt einige Cafés, die einen guten Eindruck machen. Und so lassen wir uns im “Merienda” nieder, bestellen Kaffee und ein deftig vegetarisches Frühstück. Hier sitzen wir, bis der Regen etwas nachlässt. Dann geht’s weiter nach Grasmere. Nur etwa 20 Minuten dauert die Fahrt. Ich ziehe ein Ticket für den mit Reisebussen überfüllten Parkplatz und den Reißverschluss meiner Regenjacke nach oben. Hand in Hand schlendern wir durch den kleinen Ort, in dem es ebenfalls eine beträchtliche Anzahl an Wandergeschäften gibt, die sich neben Tea Shops und Souvenirläden reihen. Eine Menschenmenge, die sich an einem grünen Holzzaun drängelt, erregt meine Aufmerksamkeit. Wir reihen uns erst einmal in die Schlange ein, ohne zu wissen, wofür wir hier überhaupt anstehen. Dann erblicken wir das Schild: “This is the ONLY place in the world where delicious Grasmere Gingerbread is made and sold.” Aha! Noch nie davon gehört, aber es muss ja gut sein; bei dem Ansturm. Den Gedanken bestätigt mir der Amerikaner, der vor uns steht, sofort. Er erzählt, die letzten Tage sei er jeden Tag hierher gekommen, um sich mit frischem Gingerbread einzudecken. Die Schlange hinter uns wird länger und so langsam steigen wir in den Hype ein, können es kaum abwarten, das Geheimnis um das Gebäck in dem kleinen, versteckten Laden zu entdecken. Als wir fast in der Reihe sind, treten wir in eine Art kleinen Flur ein. Der Verkaufsraum lässt gerade einmal Platz für 2 Leute. Dann muss es schnell gehen, die Schlange draußen nimmt schließlich nicht ab. Wir entscheiden uns, zweimal das sechser Paket zunehmen. Die Gingerbreads werden frisch für uns in dem traditionellen Papier eingeschlagen und dann drängeln wir uns schon wieder nach draußen. Im Park nebenan setzen wir uns auf eine Bank, öffnen eins der eben frisch verpackten kleinen Pakete. Dieses Gingerbread, das ich jetzt koste ließe sich nicht mit dem Lebkuchen übersetzen, den ich aus Deutschland kenne. Denn mit dunkelbraunen Herzen, mit Liebesgeständnissen und vermeintlich witzigen Sprüchen, die man auf Jahrmärkten und dem Oktoberfest bekommt, hat es nichts zu tun. This is the real shit. Ein Bissen und ich bin hin und weg. Die quadratischen Platten lassen sich durch die Einstanzung in der Mitte perfekt in zwei teilen. Von außen leicht krümelig, von innen herrlich weich und aromatisch. Der Ingwer, der dem Gebäck seinen Namen gibt, vermischt sich mit weiteren warmen Gewürzen, die ich nicht genau definieren kann. Die Aromen des krümeligen Gebäcks entfalten sich auf auf der Zunge. So, dass ich kitschig die Augen schließen und “Mhhhmm” machen möchte. Da sitzen wir; auf der moosigen Parkbank, umgeben von ein paar alten Gräber und erfreuen uns an der süßen Grasmere Legende. Dann laufen wir weiter durch den kleinen Ort. Schauen hier und da in einen der kleinen Läden und entdecken einen Tea Room, der so englisch aussieht, dass wir hier einfach Platz nehmen müssen. Wir werden herzlich begrüßt, bekommen Tee in geblümten Porzellantassen und englische Limonade, Cheese Scones und Bread and Butter Pudding mit Pouring Cream serviert. Dazu Silberbesteck und Stoffservietten. Der Ablauf des Parktickets und mein deutsches Gewissen beenden auch heute unser Vergnügen ein bisschen zu früh. Meine Empfehlung: lieber £ 2 mehr ausgeben und immer genügend Zeit haben, denn jeder Ort hier überrascht irgendwie.

Aber gut, weiter geht’s. Nach ungefähr 40 Minuten kommen wir in Kendal an. Die kleine Stadt ist ganz am Rande des Nationalparks gelegen. Wir gehen ins Kino, lassen den seichten Film auf uns einprasseln, spielen anschließend im Pub darüber Yenga bis wir müde werden. Dann suchen wir einen Platz für die Nacht und finden ihn etwas außerhalb, auf einem dieser Parkplätze, die als Startpunkte für Wanderungen an Wäldern dienen. Als wir am nächsten Morgen aufbrechen ist unsere Zeit im Lake District National Park vorbei. Zumindest für diesen Urlaub.

Als wir noch einmal resümieren, über die Orte sprechen, die wir besucht und die wir auf der Fahrt durchquert haben, stellen wir noch einmal fest, dass Buttermere genau die richtige Wahl, das richtige Ziel für uns war. Fern ab von Wassersportschulen, Boutiquen und Hotels, die man in den größeren Orten im Lake District findet. Einfach umgeben von Natur und dem Geblöke der Schafe.

Grasmere Gingerbread
↳ Grasmere Gingerbread
Scones, Buttermere, Lake District National Park
↳ Scones, Clotted Cream & Jam

Oxfordshire

Ein paar Wolken hängen noch am Himmel, als wir uns über die vielen Landstraßen den Weg zum Motorway bahnen. 3 Stunden und 15 Minuten zeigt das Mobiltelefon an. Das Ziel: irgendwo im Nirgendwo, am Rande der Cotswolds, zwischen Feldern und alten Häusern, Wäldern und Reitplätzen. Der kleine Ort, in dem wir ankommen heißt Idlicote. Hier leben Harrys Schwester und ihr kleiner Sohn, Little T. Ein paar Enten schwimmen im Teich gegenüber des Cottages und einhundert Meter weiter steht das weiße Pony auf der Weide, auf dem der Kleine reiten lernt. Der Ort ist eher eine Straße mit weiteren Cottages, einer alten Kirche am Ende und einem Herrenhaus nach der Kurve. Das Wiedersehen ist schön, wir haben uns lange nicht gesehen. Am Abend kommt auch Harrys Vater vorbei. Wir bestellen indisches Essen und lassen uns den Rotwein schmecken, der ein bisschen müde macht. Satt und zufrieden fallen wir später in das Gästebett. Es ist komisch, diese Nacht nicht im Van zu schlafen. Nicht das Rauschen des Windes, das Rascheln der Mäuse oder Füchse, die hier bestimmt herumlungern, zu hören. Am nächsten Morgen muss ich mich erst einmal neu orientieren, bevor ich wieder weiß, wo ich bin und noch halb verschlafen die Treppe nach unten in die Küche tapse.

Der Tee, den ich in den Händen halte, dreht sich noch vom Milch einrühren. Er ist jetzt dick und cremig und ich werde gerade noch wach als ich den ersten Schluck nehme, gegen den Küchenschrank gelehnt und dabei zusehe, wie Little T seine winzigen Reitschuhe und den großen Helm anzieht. Es ist der letzte Tag seines Sommerponycamps. Harry und ich werden später nachfahren, um uns das Spektakel, das große Finale anzusehen. Fast zwanzig Minuten lenken wir den Van über enge Landstraßen und entdecken schließlich die weite Wiese, auf der das Ponycamp stattfindet. Ich steige aus, öffne das Gatter und hoffe, dass wir nicht in dem Schlamm, der durch Pferdehufe und Regen an der Oberfläche glänzt, stecken bleiben. Irgendwie bahnen wir uns den Weg darum herum und parken neben den Jeeps und Range Rovern und Pferdetransportern.

Das Sommerponycamp ist eine Welt für sich. Little T gehört zur jüngsten Gruppe. Die kurzen Beine reichen noch nicht an den Bauch der Ponys. Die größeren Kinder sitzen auf den höher gewachsenen schlanken Großponys und springen über ihre ersten Hindernisse oder versuchen ihre Pferde durch Wasser waten zu lassen. Die Mütter strahlen Ehrgeiz und Wohlstand aus. Wir stehen am Rande des Platzes, auf dem die Kleinen gleich mit ihrem Finale beginnen. Die Ponys sind frisch gestriegelt und frisiert, die kleinen Reiter und Reiterinnen tragen bunte Helme, Feenkostüme und ganze Dressurreitoutfits. Dann setzt die Musik ein - Hakuna Matata - und die Ponys begeben sich, geführt von den Eltern, in Bewegung. So etwas Süßes habe ich noch nie gesehen. Die Choreographie sitzt und jetzt wird getrabt. Am Ende stehen alle Ponys nebeneinander und das kleine Publikum applaudiert. Nun ist die nächste Gruppe dran. Harry und ich schaffen es mit nur wenigen Schlammspritzern das Ponycamp zu verlassen. Nach einem späten Lunch und einem Spaziergang, verabschieden wir uns. Wir wollen heute noch nach Oxford.
Ponycamp, Oxfordshire
↳ Ponycamp, Oxfordshire

Oxford

Die Musik laut, Fenster auf und der Wind weht mir die Haare ins Gesicht. Die Freiheit fühlt sich gut an. Verrückt, wie sich das Bewusstsein, sich nach anderen richten zu müssen, wie ein Freiheitsentzug anfühlen kann. Zumindest im Urlaub. Jetzt sind es wieder nur wir beide.

Nach ca. einer Stunde kommen wir in der Universitätsstadt an, finden einen kleinen Parkplatz für die Nacht und machen uns dann auf Erkundungstour. Wie Cambridge gefällt auch Oxford mir sofort, obwohl die beiden Städte trotz ihrerer berühmten Universitäten nicht miteinander zu vergleichen sind. Ich kann es nicht an dem einem oder dem anderen festmachen, es ist das Gefühl der Stadt, das sich unterscheidet. Es ist früher Abend und wir lassen uns einfach treiben, laufen immer weiter in die Stadt hinein, werfen hier und da einen Blick in ein Schaufenster, bis wir uns schließlich einen Platz in einem Pub suchen. Ich glaube, ich schrieb es bevor, und werde es bestimmt an anderer Stelle noch einmal tun: ich liebe die Pub-Kultur in England. Sie sind, wenn du nicht in einen günstigen Ketten-Abklatsch gerätst, eigentlich immer gut. Meistens gilt - zumindest nach meiner Erfahrung - je älter desto besser. Und so finden wir auch in diesem Public House des 18. Jahrhunderts ein gutes Bier und Abendessen, bevor wir uns langsam wieder auf den Weg zurück machen.

Breakfast in Oxford
↳ Frühstück im Vaults & Gardens, Oxford
Botanic Garden, Oxford
↳ Botanic Garden, Oxford
water lillies, botanic garden, oxford
cactus, botanic garden, oxford
Die kleine Straße, an der unser Schlafplatz gelegen ist, erwacht am nächsten Morgen schon früh zum Leben. Die Leute brechen zur Arbeit auf und das leise Summen der Motoren weckt mich. Ich blinzel gegen die Sonnenstrahlen, die in den Van hinein strahlen und setzte mich auf. Für einen Moment sitze ich einfach nur so da, schaue auf Harry, der friedlich schläft und wie fast jeden Morgen seit Beginn unserer Reise erfasst mich eine Welle aus Glück und Stolz. Glück, so frei reisen zu können, und Stolz, dass das alles hier - das Bett, auf dem ich sitze und eben noch schlief, die kleine Küchenzeile, die Wände aus hellem Holz - selbst geschaffen habe. Heute ist auch ein bisschen Wehmut dabei. Wir sind fast am Ende unseres Urlaubs angekommen. Schon morgen werden wir die Fähre zurück aufs Festland nehmen. Ich wecke Harry, habe das dringende Gefühl diesen Tag noch nutzen zu müssen. Wir ziehen uns schnell an und machen uns zu Fuß auf Weg, den wir gestern Abend zurückgekommen sind. Holen uns irgendwo frisch gepressten Saft, auf der Suche nach deinem gutem Frühstück. Wir finden es unerwartet in einem alten Kirchengebäude, in dem man ein Café eher weniger erwarten würde. Das “Vaults & Gardens” serviert großartiges Sauerteigbrot mit Eiern, Avocado und allem, was die Herzen deftiger Frühstücker höher schlagen lässt. Hier sitzen wir auch nachdem wir gegessen haben noch, blättern durch die Zeitungen, die verteilt auf den Tischen liegen, trinken noch einen Cappuccino, genießen die Atmosphäre dieses wirklich besonderen Cafés, bis sich der letzte Milchschaum verwässert hat. Dann folgen wir der Straße weiter, laufen hinauf zum Oxford Botanic Garden, der übrigens der älteste botanische Garten Englands ist. Es ist Freitagmittag und die Gärten sind nur spärlich besucht. Wir begeben uns zu den sieben verschiedenen Gewächshäusern. Vollkommen fasziniert schauen wir uns Pfeffer, Tabak, Baumwolle und weitere Pflanzen des alltäglichen Lebens an, bevor wir durch das Wasserlilien Haus laufen und uns fleischfressende Pflanzen ansehen. Als wir nach gefühlten Stunden aus den Häusern hinauskommen, erstrecken sich vor uns verschiedenste Bäume und Beete mit Nutz- und Zierpflanzen und ein Stück weiter ein Feld voller bunter Blumen. So wie man es sonst nur im Film oder auf gut inszenierten Instagramgotos sieht. Als die Augen und der Kopf müde vom ganzen Schauen, Lesen, Studieren und Fotografieren sind, entscheiden wir uns schweren Herzens, dass es langsam Zeit wird Oxford zu verlassen.
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